Deutsch LK, 1. Leiste, Frau Dr. Russ

Der Deutsch LK
von links nach rechts: Nina Jäger, Philipp Giller, Anna Endepols, Melanie Olschewski, Frau Dr. Russ, Anne-Kathrin Welter, Anabell Dinges, Manuel Kirchner, Jasmin Wesselhöft, Christian Termeer, Anna Schulz, Martin Camphausen, Angela Schütz, Vanessa Schleider, Christiane Wolf, Jan Funk, Hannah Rose, Petra Graeser, Dirk Rehberg, Franziska Sangals, Nora Lundgrün, Alexander Götz, Benedikt

Eine Familie mit „Schätzchen und Schäfchen“

Uns wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, einen Bericht uber den chaotisch anspruchsvollen Deutsch-Lk von Frau Dr. Russ zu verfassen.
Zunachst von den anderen Kursen belachelt, mussten wir bald feststellen, dass auch an uns die grosen Dichter und Denker nicht einfach so vorbeiziehen wurden.
Einzige Auflockerungen versprachen die Affaren von OP-Schwester Ingeborg mit ihrem Oberarzt und die feuchtfrohlichen Kurstreffen bei Niko, in deren Folge die Dichter und Denker dann meist zu dicht zum Denken waren. Dies spiegelte sich vor allem im korperlichen Befinden der Mitschuler wider. Als Beispiel ware hier, der Dornroschenschlaf wahrend des.Deutschunterrichts von Jan F., zu nennen, aus welchem er nur unter liebevoller Zusprache von Frau Dr. Russ, erweckt werden konnte. Schlussfolgerung "Wir brauchten Urlaub!"
Auf in die Natur sprach es und auf den Spuren von Faust begaben wir uns auf die kulturelle Reise durch die Toskana. Vor allem das schöne Hotel, die netten Busfahrer und die zahlreichen Strandbesuche machten die Erholung perfekt. Mit leichten physischen Schaden (Kopf- und Geruchsorgane) erreichten wir schlieslich die Heimat und das Drama um Leistungen und Lernen nahm kein Ende.........!
Einzige Rettung aus der Notenmisere, sah Benedikt B., in Form eines Heiratsantrags, den Frau Dr. Russ zum allgemeinen Bedauern (sie eingeschlossen) jedoch ablehnen musste. Benedikt gab aber nicht auf und versuchte es mit der Buchfuhrung fur die Kursfahrterstattungen, mit der Frau Dr. Russ offensichtlich uberfordert war. (Denn ihre Mathematikkenntnisse sind ja allgemein bekannt.)
Frau Dr. Russ war stets bemuht, das Niveau des Kurses im Bezug auf kulturelle Allgemeinbildung anzuheben. So waren zahlreiche Theaterbesuche im Programm enthalten. (Wir warnen vor Vorstellungen, welche die Zweistundengrenze uberschreiten! )
Um uns den Geschmack am Lesen noch mehr zu versusen, suchte Frau Dr. Russ fur uns auch einen modernen Roman heraus: Der Vorleser von Bernhardt Schlink. Dies war nun wirklich eine Abwechslung, denn wen interessiert es nicht, wenn korperliche Kontakte zwischen einer Dreisigjahrigen und einem Sechzehnjahrigen ausgetauscht werden.
Wahrend wir aber dann uber den schweren Aufgaben unserer Klausuren bruteten, beschaftigte sich Frau Dr. Russ mit den allgemeinen Problemen der Weltgeschichte und den Tucken ihres Laptops, wobei sich ihre Hilflosigkeit in Form von tiefen Seufzern zeigte. Da unser lieber Direktor Herr Kirchen das Rauchen in den Klassenraumen verbietet, bat uns Frau Dr. Russ unsere geistigen Hohenfluge etwas zu bremsen und schnell abzugeben, denn sie brauchte nach drei Stunden Aufsicht dringend eine Zigarette. Viele Schuler (Leidensgenossen) fuhlten mit und taten ihr den Gefallen, unter Opferung ihrer Noten. Um uns Mut zu machen und uns weiter bei der Stange zu halten, erzahlte uns Frau Dr. Russ auch kleine Anekdoten von ihrem kleinen privaten Literaturclub, in dem die Damen oft mit nichtgemachten Hausaufgaben erschienen, was bei uns selbstverstandlich nie der Fall war.
Aus einer lockeren Verbindung wurde eine Familie von Schatzchen und Schafchen, an die wir uns alle in vielen Jahren noch zuruckerinnern werden.
Sie haben uns gezeigt, Frau Dr. Russ, dass es auch jenseits von Goethe, Buchner und Lessing eine Welt der trivialen Literatur, des lockeren Zusammenseins und des guten roten Weines gibt. Vielen Dank, dass Sie stets um unser Wohl bemuht waren und uns wichtige Tipps fur den Start in unseren neuen Lebensabschnitt gegeben haben. "Nun wissen wir was die Welt im Innersten zusammenhalt!!!"
Anna Endepols
Anna Schulz


Abschluss-Klausur               Juni 2002

Kurs: LK Deutsch, 13 a

Tutorin: Dr. Eva Maria Russ

Aufgabenart: Textanalyse

Aufgabenstellung:
1. Stellen Sie den Ihnen vorliegenden Monolog in seinen unmittelbaren inhaltlichen Zusammenhang.
1. Welche Einschätzung der ihr anvertrauten Jugendlichen entwickelt die Sprecherin in ihrer Rede? Zeigen Sie ihr neues Erkenntnisbewusstsein, indem Sie mindestens eine Szene innerhalb des gesamten Schauspiels zum Vergleich heranziehen.
2. Inwiefern hat der o.a. Monolog den Charakter eines Epilogs? Beziehen Sie bei der Beantwortung mindestens eine der Ihnen bekannten literarischen Schluss-Szenen mit ein.

Zueignung

Nacht
Kleine, niedrige Schreibstube

„Ihr geht nun wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem frohen Blick gezeigt.
Versuch ich noch, euch dennoch festzuhalten?
Fühl ich mein Herz denn jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt nun fort, so mögt ihr walten,
Wenn ihr in Dunst und Nebel von mir schweigt.
Mein Busen fühlt sich ganz und gar erschüttert
Vom Lebensdrang, der euren Zug umwittert.

Ihr nehmt mit euch die Bilder froher Tage,
Und manche schöne Stunden tauchen auf;
Als wir einst saßen glücklich beim Gelage.
Italiens Wege, ach, bergab bergauf.
Der Schmerz, er nagt, es wiederholt die Klage
Der Jahre labyrinthisch irren Lauf,
Und nimmt die Guten, die trotz froher Runden
Vom Glück verlockt, von mir hinweggeschwunden.

Sie hören nicht die traurigen Gesänge,
All jene, denen ich die munt’ren sang;
Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
Verklungen, ach! Der erste Widerklang.

Und mich ergreift ein nie gekanntes Sehnen
Nach jenem heit’ren, kecken Jugendreich.
Es schwebet nun in unbekannten Tönen
Mein Abschiedslied, dem Flötenspiele gleich.
Ein Schauer fasst mich, Träne folgt den Tränen.
Das strenge Herz, es fühlt sich mild und weich!
Was ich besaß, das seh’ ich nun im Weiten,
Und was mir bleibt, sind raue Wirklichkeiten.