Toskanafahrt, oder „Von einigen, die auszogen, das nackte Überleben zu lernen“



Am 1.9. letzten Jahres machten sich der Mathe, Bio und Deutsch-LK auf, die Tradition fortzusetzen und die Freuden der Toskana kennenzulernen.
Nach ca. 10 Stunden kamen wir in Montecatini-Therme an-sollten wir etwa noch träumen?! Unser Bus hielt vor einer Art Palast mit großem Garten und vielen Palmen drumherum plus direkter Anbindung an die Einkaufsmeile! Zunächst noch schwer erfreut, wurden wir aus den schönsten Träumen gerissen! Nicht das im direktem Blickfeld stehende Schloss sollte die nächste Woche über unsere Residenz sein, sondern eine, in einer kleinen, dunklen Gasse, ca. 500m weiter liegende Bruchbude!! Doch ein ortsansässiger Reisebürobesitzer konnte uns beruhigen: Die von uns gemietete Bruchbude war seit sechs Jahren geschlossen! Puhh! Nochmal Glück gehabt! Schlimmer konnte es ja nun nicht mehr werden!-
Trugschluss Nr.2!
Uns wurde ein neues Hotel zugewiesen: Hotel Esmeralda! Nach 3 stündigem Warten, konnten wir endlich unsere „Zimmer“ beziehen. Das Flair quietschender, eiserner Hochbetten mit Drahtlattenrost, verschimmelter Badezimmer und ungeputzten Steinfussböden haute uns förmlich um- das Überlebenstraining begann..
So waren wir froh dem Alltag im Hotel zu entfliehen. Unsere Busreisen führten uns nach Pisa (der Turm steht auch nach unserem Besuch noch!), Vinci, wo wir Leonardos Kunstwerke bewundern durften, Florenz, was uns als Tourihochburg in Erinnerung bleiben wird, vermischt mit einem unvergesslich schönem Blick über die Stadt, Siena, der Heimat des Pferderennens und des mediteranen Klimas, San Gigmigniano, der kleinen süßen Stadt auf dem Hügel mit ihren Geschlechtertürmen und als krönenden Abschluss Lucca mit der großen Stadtmauer und dem besten Wein weit und breit.
Nach diesen anstrengenden Tagestouren kamen wir hungrig und müde ins Hotel zurück und freuten uns (zumindest noch am ersten Abend) auf ein paradiesisches Abendessen Trugschluss Nr.3! Hatte der Koch übers Essen ejakuliert?! Der schleimige Überzug auf dem Schnitzel erinnerte jedenfalls daran. Und auch der Parmesankäse musste an manchen Tischen vor dem Verzehr erlegt werden- er wanderte in Form von Würmern aus den Schüsseln...Naja, es blieb ja noch das Frühstück, bei dem man sich hätte stärken können- Trugschluss Nr.4! Jede Diätanstalt hätte dieses Morgenmahl als eine Vergewaltigung an Körper und Seele empfunden: Zwieback, trockenes, altes Weißbrot und Kaffe dessen Konsistenz Spülwasser glich und der auch so schmeckte. Selbstversorgung war angesagt, und so kauften wir beim Supermarkt an der Ecke nicht nur Alkohol in Massen, sondern räumten auch jeden Tag aufs Neue die Lebensmittelabteilung leer. So entdeckte jeder in dieser Woche eine neue Seite an sich: Wir hätten nie gedacht, dass man sich eine Woche lang von Pizza und Milchbrötchen ernähren könnte, ohne Vitaminmangel zu erleiden, Frau Schmitt mutierte zur Samariterin des Küchenpersonals und appelierte jeden Tag aufs Neue an unsere gute Erziehung, doch wenigstens so zu tun, als würde es uns schmecken, der Busfahrer merkte, was es heißt, mit lebendigen Fahrgästen in einem Hotel zu schlafen- er gewöhnte sich nie daran und musste die letzte Nacht im Bus schlafen (ÄTSCH!!!), Herr Böhm flüchtete sich hinter die Theke und wurde Barkeeper (Vielen Dank nochmal für die hoch dosierten Mischungen) und Frau Russ kehrte ihre verführerische Seite nach außen („Trinkt ihr nichts?! Ihr müßt was trinken! Das macht lustig!“). Weil dieser Bericht auf Grund der vielen Ereignisse auf der Fahrt den Rahmen dieses Buches sprengen würde, hier noch ein paar Tipps für zukünftige Toskanafahrer:

  1. Lasst euch genaue Fotos vom Hotel schicken plus einer Zusicherung, dass das Hotel überhaupt existiert!
  2. Wer keine 15DM für einen Kaffe ausgeben möchte, sollte sich zuvor über die Ausblickmieten des jeweiligen Ètablisements erkundigen (Wir haben als Ausgleich die Tassen mitgenommen!)
  3. Wer beim Kauf eines Eises nicht verhaftet werden möchte, sollte sich zuvor gründlichst über den Preis informieren (Florenz 2 Kugeln 10DM!)
  4. Der Erwerb hochprozentiger Mischungen wird durch das Mitnehmen von Herrn Böhm begünstigt!! (Nochmals Tausend Dank!!)
  5. Wer keine gravierenden Probleme mit Frau Schmitt wünscht sollte das Aufziehen von Alufelgen vermeiden!
  6. Die Klimaanlage des Busses funktioniert nur, wenn der Motor an ist (das gilt auch für Bio Leistungskursler!!)
  7. Wer nichts verträgt, sollte sich bei der Weinprobe zurückhalten (gell...?!)
  8. Ungeleerte Chemietoiletten sorgen zwar einerseits für unaushaltbare Gerüche bei der Rückfahrt, andererseits aber für Minderung der Reisekosten! (An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an unseren Rechtsbeistand!)
Fazit: Wer bisher glaubte, Herr Scheid sei ein chaotischer Organisator, der wurde hier eines besseren belehrt! Spaß hat die Fahrt aber trotz, oder gerade wegen der vielen Pannen gemacht!